Zur Freundschaft an der Haardt
Zur Freundschaft an der Haardt

Geschichte der Loge "Zur Freundschaft an der Haardt"

der Beginn als Lesegellschaft 1790

Aus einer seit dem 1. September 1790 in Neustadt bestehenden soge­nannten Lesegesellschaft ging die erste Freimaurerloge in Neustadt/Weinstraße hervor. Als Gründungsmitglied wird der Freimaurer Theo­bald Dacqué genannt.

 

Weitere Persönlichkeiten in Neustadt und Umge­bung sind Mitglieder der damaligen Freimaurerloge gewesen. Folgende Namen sind aus dieser Zeit noch bekannt:

  • Johann Theobald Dacqué (1790 -1814) war erster Logensekretär
  • Johann Peter Ackermann (1810-1814) war 1814 Sekretär und erster Meister vom Stuhl (M.v.St. - Vénérable Maître)
  • Florentin Dubus (1801-1814)
  • Georg Frey (1810-1814)
  • Johann Ludwig Grohé (1802-1814)
  • Johann Hose­mann (1810)
  • Bernhard Kraus (1801)
  • Wolfgang Adam Knoeckel (1810­ bis 1814)
  • Abraham Lembert (1810-1814)
  • August Liebmann (1809-1814)
  • Francois Pascal Maury (1810-1814)
  • Petit (1803)
  • Elias Jakob Rasor (1810-1814)
  • Johann Herrmann Schmidt (1810-1814)
  • Johann Umbstaetter (1810-1814)

 

Gründung im Jahr 1810

Zusammen mit weiteren Freimaurern wurden am 6. Januar 1810 Beschlüsse gefaßt, die die finanzielle Sicherstellung der Loge und eine Fühlungnahme mit den Nachbarlogen in Speyer, Landau und Franken­thal zwecks Unterstützung des Aufnahmegesuchs an den Grand Orient in Paris beinhalteten. Der Konstitutionsbrief des Grand Orient (G. O.) ist vom 15.10.1810 datiert.

Die Neustadter Logengründung fällt in die napoleonische Zeit und stellte wohl eine Sammlung der unzufriedenen, durch die französischen Verwaltungsorganisationen benachteiligten alten Republikaner dar, die sich ähnlich wie in Kreuznach mit Persönlichkeiten aus dem konservati­ven Lager des Stadtbürgertums zu einer Gemeinschaft unter den ver­söhnlichen Zeichen des napoleonischen Regimes verbanden.

 

Noch Ende November 1809 hatte der Speyerer Unterpräfekt Verny, selbst Freimaurer, dem Minister der Police Générale auf dessen Anfrage mitgeteilt, daß im Kanton Neustadt keine gefährlichen "associations mysti­ques" bestehen würden, die Bewohner seien dafür zu aufgeklärt und der Regierung zudem ehrlich ergeben.

 

Möglicherweise wußte Verny damals bereits von der Grundsteinlegung der Neustadter Loge, die Silvester 1809 erfolgte; als aufgeklärte Gesellschaft fiel sie natürlich nicht unter die zu verfolgenden Vereinigungen.

 

die ersten Jahre

Zum Tagungslokal hatten die Grün­der das Neustadter “Lazarett” ausersehen und traten darüber mit dem Bürgermeister In Verhandlungen. Zuvor versammelte man sich proviso­risch im Haus des Neustadter Postmeisters Johann Umbstaetter, wo vermutlich auch gelegentlich die Lesegesellschaft zusammenkam. Am 6.1.1810 folgten die nächsten offiziellen Beschlüsse der Gründer, die die finanzielle Sicherstellung der Logo und eine Fühlungnahme mit den Nachbarlogen in Landau, Speyer und Frankenthal zwecks Unterstützung des Aufnahmegesuchs an den Grand Orient beinhalteten. Vénéra­ble wurde Johann Peter Ackermann, Direktor der Sekundärschule In Neustadt. Man beschloß, "quoique la langue française ne soit pas encore bien familière aux habitans de nos environs", in der französi­schen Sprache zu arbeiten. Daher war die Loge gezwungen, dem sprachgewandten, kaum 25 Jahre alten Ludwig Theobald Dacqué aus Neustadt, der bereits In der Mainzer Logo "Les Amis réunis" tätig war ohne die altersmäßigen Voraussetzungen zu haben, das Amt des Lo­gensekretärs zu übertragen. Die französische Sprache wurde als ein not­wendiges Ferment des Empire angesehen, und Ihre Unkenntnis war für manchen Kameralisten des Ancien régime und jungen ungebildeten Re­publikaner dieser Zeit Grund für die Ablehnung der Wiedereinstellung in der Spätzeit des Direktoriums. Den Logen fiel so die Aufgabe der Verbreitung des französischen Sprachgefühls In den deutschsprachi­gen Provinzen zu, eine erfolgreiche Methode der Umsprachung, die bereits unter der Bourbonenherrschaft im Elsaß angewendet worden war. Da die Basis der freiwilligen Teilnahme durch die Aussicht auf gesellschaftliche und berufliche Verbesserung In starkem Maße beein­flußt wurde, kamen der mit soziologischen und moralischen Aufnahme­prinzipien arbeitenden Loge für die betreffende Region Entscheidungs­möglichkeiten jenseits des beruflichen Leistungsprinzips im Sinne konservierender staatsbürgerlicher Haltung von großer Reichweite zu.


Installation der Loge 1811

Am 7.1.1811 erfolgte die feierliche Installation der Loge "Trois flammes vivifiantes à l'Orient de Neustadt" in Anwesenheit von Vertretern der Frankfurter Loge "Aurore naissante", der beiden Mannheimer Logen "Charles à l'Unlon" und "Charles-Stephanie à l'Harmonie" und der Logen von Lauterburg, Landau, Speyer, Worms, Zweibrücken und Frankenthal (Installationsloge), nebst den Repräsentanten einiger Hochgradkapitel. Bei dem feierlichen Einzug präsentierte der Honorable der Neustadter Loge dem Präsidenten der Installationskommission den dreiarmigen erloschenen Leuchter zur Zeremonie des Anzündens und die 3 Hämmer, weiße Handschuhe als Zeichen der Reinheit der maurerischen Gefühle und 3 Blumensträuße zum Zeichen der zu erwartenden glücklichen Tage unter dem Grand Orient, der wiederum als Gegenleistung Konstitutionen, Statuten und die symbolischen Bücher übersand­te. Vor der Eröffnung der Arbeiten des Grand Orient de France in Neustadt sprach Ackermann der feierlichen Stimmung angepasste gebetsähnliche Worte. Die Mitglieder bestätigten dem Repräsentanten des Grand Orient, daß sie mit Ihren gewählten Offizieren zufrieden seien. Die Rede des Installators sprach grundsätzliche Ideen der Freimaurerei an. Danach erfolgte die Eröffnungserklärung der Loge.

 


das Ende der ersten Neustädter Loge

Am 2.11.1811 ließ der Maire dem Vénérable ein Schreiben zukommen, das über die Meldepflicht geheimer Gesellschaften Mitteilung machte. Die Loge erbat sich daher besorgt vom Grand Orient Verhaltensmaßregeln. Am 1.10.1813 teilte man nach Paris mit, daß unglückliche Um­stände fast den Zusammenbruch der Loge herbeigeführt hätten, die Gefahr aber wieder beseitigt sei und die alte Ordnung zurückkehre. Das letzte Semesterwort, das freimaurerische Erkennungszeichen, das beim Besuch fremder Logen notwendig war, hatte man nicht mehr erhalten. Das Spätjahr 1814 wird dann den endgültigen Zusammenbruch der napoleonischen Loge gebracht haben, deren Mitgliederlisten von 1809 bis 1811 erhalten sind.

 

Die Listen der Neustadter napoleonischen Loge erfassen 37 Personen. Der Mitgliederstand wird Im Jahresdurchschnitt - die Zahl läßt sich nicht exakt feststellen - ungefähr 30 Personen betragen haben. Die Berufsgruppen erscheinen recht ausgewogen: Handel (7), Grundbesitzer und Rentiers (7), Militär (3). Medizln (3), Forstwesen (3), Fabrikanten (2), Kontributionen (2), Gericht, Notariat, Schule, Mairie, Zoll, Enregistre­ment, Post und Landwirtschaft je ein Vertreter. Das pfälzische Element überwog durchaus, wenn auch ein Teil der Logenmitglieder aus Frankreich und dem Elsaß gebürtig war. Bei den sich beteiligenden Kaufleu­ten wird es sich im Wesentlichen um Kleinkaufleute gehandelt haben. Propriétaires, Rentiers, “Economes", Fabrikanten und Notare fanden angesichts der damaligen staatlichen Berufsideologie leichteren Zu­gang zu dem neuausgestalteten bürgerlichen Notabelnstand (angese­hene Persönlichkeiten). Es sind im Wesentlichen die Namen der besit­zenden Schichten der landesherrlichen Territorien, sowie die vom poli­tischen Wechsel hochgetriebenen Ausnahmeerscheinungen, die Leit­bilder für die ländliche Bevölkerung In dem hoffnungsvollen Klima des sich zwischen republikanischer Ideologie und bürgerlicher Aristokratisierung bewegenden Provinzreglements des napoleonlschen Kaiser­reichs.

 

Wolfgang Adam Knoeckel II (1793-1815) war Besitzer der traditionsrei­chen Papierfabrik im Schönthal in Neustadt. Am 25.11.1669 hatte der Neustadter Ratsangehörige Johann Heinrich Lorch die “Walkmühle“ erworben, die von ihm oder seinem Sohn als Papiermühle eingerichtet wurde. Der aus dem Vogtland eingewanderte Papiermacher Wolfgang Adam Knoeckel wurde Schwiegersohn und Teilhaber des Neustadter Bürgermeisters Johann Friedrich Lorch. Als die in diesen Jahren errich­tete Papierfabrik am 24./25.05.1814 durch ein Feuer vernichtet wurde, löste ein Aufruf des Meisters vom Stuhl der Neustadter Loge ein großes Echo in der Pfalz und insbesondere in Belgien aus; die Fabrik konnte daher noch im selben Jahr wieder aufgebaut werden.

 


1897 Neugründung

Gründungsmitglieder

1897 reichten 22 Brüder aus Frankenthal ihre Deckungsgesuche bei der Loge "Zur Freimütigkeit am Rhein“ ein, um die Loge in Neustadt wieder zu gründen. Darunter waren auch Brüder aus Dürkheim, die in einer in Kaiserslautern von 1864 bis 1883 bestandenen Loge, nämlich der schon ge­nannten Loge “Barbarossa zur Deutschen Treue", gearbeitet hatten. Sie übergaben das Inventar der geschlossenen Loge zur Verwaltung an die Loge „Zur Freimütigkeit am Rhein“. Dieses Inventar ging dann 1897 ohne jegliche Probleme in den Besitz der Neustadter Bauhütte über.

Die Loge "Zur Freundschaft an der Haardt" wurde am 22. Juli 1897 gegründet. Einige Freimaurer, welche bis dahin anderen Logen ange­hörten, aber Ihren Wohnsitz In Neustadt hatten, schlossen sich zur Gründung einer Loge In Neustadt zusammen und haben ihr den Namen "Zur Freundschaft an der Haardt" gegeben.


Lichteinbringung durch die Großloge "Zur Sonne in Bayreuth"

Die ersten Arbeiten der neugegründeten Loge fanden im Gesellschafts­haus, dem späteren Haus des Roten Kreuzes statt. Später erbaute der Besitzer des Hotels "Zum Löwen“, Bernhard Feld, im Rückgebäude seines Anwesens gegen die Eisenbahnüberführung einen eigenen Saal, in welchem dann die Arbeiten der Loge abgehalten werden konnten. Nach Beendigung des Krieges 1914/18 wurde die Arbeit der Loge nach Unterbrechung durch die Kriegszeit wieder aufgenommen. Die Arbeiten und die wöchentlichen Zusammenkünfte fanden wie früher im Hotel "Zum Löwen" statt.

Erwerb des Logenhauses "Johannisgarten”

Durch die damalige französische Besatzung wurden der Loge jedoch erhebliche Schwierigkeiten bereitet. Das Gebäude wurde beschlagnahmt, die Räumung des Tempels mit allen Nebenräumen wurde verfügt. Die Ausstattungsgegenstände der Loge konnten nach Räumung des Tempels zunächst auf dem Dachboden der Neu­stadter Volksbank, später im Saalbaugebäude untergebracht werden. Im Goethesaal des Saalbaues fanden dann auch eine Zeit lang die Arbeiten der Loge statt. Um diesen Erschwerungen für ein geordnetes Logenleben ein Ende zu bereiten, machte Bruders Kommerzienrat Heinrich Saul den Vorschlag, die Loge solle ein geeignetes Gebäude erwerben, dieses umbauen und so einen würdigen Tempel mit den entsprechen­den Nebenräumen gewinnen. Dieser Vorschlag fand jedoch wegen des hierfür notwendigen Kapitalaufwandes zuerst keine Gegenliebe.

 

Den unbeirrbaren Bemühungen des Bruders Saul ist es zu verdanken, daß sein Plan weiterverfolgt wurde. Es gelang ihm, das Anwesen Karolinenstraße 19, damals der "Hotz'sche Bierkeller" genannt und im Besitze des Keller­meister und Wirtes Louis Müller, zu kaufen. Das Anwesen war im Grundbuch folgendermaßen ausgewiesen:

 

  • Plan Nr. 1222 a Wohnhaus Nr. 19 an der Karolinenstraße mit Wirtschaft, Kegelbahn, Stall, Schuppen, Abort, Hof und Wirtschaftsgarten zu 0,142 ha
  • Plan Nr. 1222 b Garten ebenda zu 0,042 ha.

 

Der Kaufpreis betrug 75.000 Mark. Der Kaufvertrag wurde durch den Notar Rupprecht verbrieft.


In Anrechnung auf den Kaufpreis ist ein auf dem Grundstück ruhendes Annuitätendarlehen der Bayrischen Hypotheken- und Wechselbank München im Restbetrag von 15.500 Mark übernommen worden. Der Rest in Höhe von 59.500 Mark wurde je nach Fälligkeit, wie in der notariellen Urkunde vom 31.01.1921 festgelegt war, von der Neustadter Volksbank eGmbH zu Lasten der Loge beglichen.

 

Mit den Umbauarbeiten wurde zugewartet, bis der damals noch in russischer Kriegsgefangenschaft befindliche Bruder Otto Reimers heimge­kehrt war. Bruder Reimers, von Beruf Architekt, hat dann für den Umbau des Hauses sowie einen Anbau die Zustimmung der Loge gefunden. Die Finanzierung der Baumaßnahmen erfolgte in der Hauptsache durch Bruder Heinrich Saul bei der Neustadter Volksbank und es bleibt sein Verdienst, daß er diese Finanzierung mit großer Umsicht durchgeführt hat, was ihm die Brüder der Loge nicht vergessen werden. Das stattliche Logenge­bäude ist ein unvergängliches Erinnerungszeichen dafür. Auf Anregung des Bruders Saul wurde am Logenhaus eine Steintafel angebracht, in welcher folgender Leitspruch eingemeißelt ist:

 

Wahrheit suchen, Tugend üben,

 

Gott und Menschen herzlich liebenI

 

Dem Haus wurde die Bezeichnung "Johannisgarten” gegeben.

 


Geldentwertung 1921

Das Jahr 1921 war ein gutes Weinjahr. Um bei der damals drohenden Geldentwertung die vorhandenen Geldmittel der Loge nicht verfallen zu lassen, hat Bruder Wilhelm Bub den Vorschlag gemacht, für die Loge ein Halbstück St. Martiner Weißwein einzulegen. Einige Zeit diente dann dieser köstliche Wein dem Wohlbehagen der Brüder. Allein der sinkende Geldwert in jener Zeit ließ keine andere Wahl, als den Wein zu veräußern und mit dem Erlös die Schulden aus dem Grundstückskauf abzudecken. Dadurch konnte das Gebäude lastenfrei werden.

 


Die Zeit des Nationalsozialismus

Mit Beginn des sogenannten Dritten Reiches mußte diese Steintafel am Eingang des Logengebäudes entfernt worden. Im April 1935 wurde dann das Logengebäude durch den Bayrischen Staat beschlagnahmt und ohne Entschädigung dem Luftschutzbund zur Verfügung gestellt.

 

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches kam die Loge im Wege der Restituionsklage wieder in den Besitz ihres Hauses, die Steinplatte wurde wieder angebracht, aber es mußten erhebliche Instandsetzungsarbeiten an dem durch Zweckentfremdung sehr vernachlässigten Hause durchge­führt werden, die sich bis in die jüngste Zeit hinzogen.

 

Wiederaufnahme nach 1945

Die Lichteinbringung nach Wiederaufnahme der Logenarbeit im eige­nen Hause erfolgte im Herbst des Jahres 1948 durch den Großmeister Bruder Dr. Bauer, Baden-Baden, zunächst noch im Künstlerkeller des Saalbaues. Der Tempel ist inzwischen mit seinen Nebenräumen neu erstanden und bietet Gelegenheit zu brüderlichem Zusammensein und geistiger Vertiefung.

 


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