Zur Freundschaft an der Haardt
Zur Freundschaft an der Haardt

Vorträge in unserer Loge

Regelmäßig halten unsere Brüder Vorträge in unserer Loge. Wir möchten Interessierten hier einen kleinen Überblick über unsere Vorträge geben.

     Die drei kleinen Lichter der Freimaurerei

Kurzvortrag während eines Gästeabends von einem Bruder in dritten Grad der Loge Zur Freundschaft an der Haardt - Neustadt an der Weinstraße am 4. November 2011.

Kurz bevor ich angefangen hatte mir Gedanken über den Inhalt und die Form dieses Kurzvortrages zu machen, wurde ich mit einer Aussage –eher einer Forderung– konfrontiert, die mich noch heute beschäftigt. Diese kam von einem Mann der Vieles erlebt aber nicht so lange gelebt hat und nun versuchte, seine Weisheit in Worte zu fassen, für DIE die seine Botschaft hören wollten:

„Du muss finden, was Du liebst. Und das gilt sowohl für Deine Arbeit als auch für die Menschen die Du liebst. Deine Arbeit wird einen großen Teil Deines Lebens füllen und der einzige Weg, wirklich zufrieden zu sein, ist das zu tun von dem Du glaubst, es ist eine großartige Arbeit. Und der einzige Weg eine großartige Arbeit zu errichten ist zu lieben was Du tust. Wenn Du es noch nicht gefunden hast, such weiter. Gib Dich nicht zufrieden. Und wie bei allen Angelegenheiten des Herzens wirst Du es wissen, wenn Du es gefunden hast. Und wie bei jeder guten Beziehung, es wird immer besser und besser im Laufe der Jahre. Also, such weiter bis Du es gefunden hast. Gib Dich nicht zufrieden.“

Es hat etwas gedauert bis ich verinnerlicht habe, dass nicht ICH versucht hatte, meine „Gedanken zu fesseln“, sondern dass MEINE Gedanken mich gefesselt hatten.

Die ganz einfach formulierte Frage eines Bruders brachte mich letztlich und unerwartet auf die für mich richtige Erkenntnis:

Was ist das Einzigartige in der Loge, was zugleich der Grund ist, warum Du Dich auf dieses Wiedersehen immer wieder freust?

Es sind die gemeinsamen Erlebnisse mit den gleichgesinnten und doch so unterschiedlichen Menschen in der Loge. Es ist dieses unbeschreibbare individuelle Erlebnis der freimaurerischen Symbolik, der Ritualempfindung, der Menschlichkeit unter Brüdern die dieses Wiedersehen zu einem einzigartigen und nicht wiederkehrenden Moment erkoren. Dieses individuelle Empfinden und die daraus folgenden Reflektieren und Handeln, sind das eigentliche freimaurerische Geheimnis, welches uns verbindet. Als Freimaurer „…betrachten [wir] die Welt als einen zu vollendenden Bau der Humanität [und] die Menschen als seine Bausteine“.
„Durch die freimaurerischen Symbole sollen die wesentlichen Aussagen einer ethischen Verhaltensweise mit Bildern ausgefüllt… und das Unterbewusstsein angesprochen werden. Ziel ist das individuelle Erlebnis zu fördern und dadurch den Menschen zu einer selbstkritischeren Lebensweise anzuhalten“.

Unser Zentralsymbol ist der Salomonische Tempel, an dessen Bau alle Brüder in ihrer geistigen Entfaltung sowie ihrem Streben nach Vollkommenheit vereint werden. Den Bau an diesem Tempel der Humanität können wir nur dann fördern, indem wir uns und unser Wirken in der Gesellschaft kritisch betrachten und ein sittliches Verhalten daraus entwickeln; nicht um den Anderen zu gefallen, sondern um Zufriedenheit zu finden. Zufriedenheit an dem zu finden, was wir tun, nicht weil es vollkommen ist, sondern weil es uns ein Stück besser gemacht hat als es wir vorher waren. Nur die ständige Arbeit an uns selbst fördert den Bau des Tempels der Humanität.

Und so nehme ich die Rituale und Symbolik der Freimaurerei intensiver und tiefgründiger wahr, je länger ich die Arbeit an meinem rauhen Stein errichte. Was mir am Anfang rätselhaft oder gar geheimnisvoll vorkam, hat im Laufe der Zeit in mir einen stetigen Wiederfindungsprozess in Gang gebracht. Manchmal finde ich dabei Antworte auf Fragen die mich gerade oder seit langem bewegen aber öfters entstehen dabei noch mehr Fragen, die sich auf eine Antwort drängen. Und so kommt mir dieser Prozess –eigentlich MEINE Entwicklung– wie die Entstehung eines Baumes vor:
Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, also die Qualität der Erde, des Wassers, der Luft und des Lichtes entsprechend fördernd auf ihn wirken, wächst der Baum stark in die Höhe. Wie stark, wie hoch und welche Form er nimmt, hängt letztendlich von der Interaktion zwischen ihm und seiner Umgebung ab.

Ja! lieber Bruder, um auf Deine Frage zurück zu kehren, ich komme immer wieder gerne in die Loge um die Nährstoffe für diesen MEINEN Baum zu holen. Ich bin sozusagen der Gärtner meines Lebens.

Und so betrachtet, hat für mich dann die Forderung dieses Mannes an Bedeutung gewonnen: „… finde, was Du liebst. Und das gilt sowohl für Deine Arbeit als auch für die Menschen die Du liebst…“. Die Arbeit die er meinte ist vielleicht nicht die freimaurerische Arbeit die ich hier meine, aber genau diese erweiterte Betrachtungsweise ist was MICH weiter gebracht hat, was diese Forderung für MICH sinnvoller vollkommener gemacht hat und was MICH noch näher zu den Menschen gebracht hat, die ich liebe. Und so hat auch die Interpretation meiner Erlebnisse mit unseren Symbolen an Bedeutung gewonnen.

„Für den Freimaurer, als Lichtsuchender, verkörpert das Licht das Höchste, das der menschliche Geist zu erfassen vermag".
Das "Licht der Erkenntnis" ist schließlich des Maurers Lohn. Aber wo es Licht gibt, befindet sich auch Schatten, und so sehe ich meine freimaurerische Arbeit als der ständige Versuch, so viel Licht wie möglich aufzunehmen und dabei so wenig Schatten wie möglich zu werfen.

Die Antwort auf die Frage: Was sind „Die Drei Kleinen Lichter“ lässt sich meines Erachtens so beantworten:

Es sind die drei kleinen Flammen, die auf den Säulen der Weisheit, Schönheit und Stärke brennen, alle drei Kräfte die die Loge symbolisch tragen, die unsere Arbeit am rauhen Stein begleiten, die unseren Weg aus der Finsternis erleuchten. Diese Kräfte werden wiederum im übertragenen Sinne dem Meister vom Stuhl (Weisheit), der Sonne (Schönheit) und dem Mond (Stärke) zugeordnet. Das hat sich nicht sonderlich verändert seit dem ich meine Arbeit in dieser Loge errichten darf. Aber meine Erlebnisse mit diesen Symbolen, dieses persönliche Empfinden, hat sich doch im Laufe der Zeit verändert. Es ist tiefgründiger und übergreifender geworden, wenn auch nicht endgültig.

Zum einen „…stehen sich die aufwärts steigende Sonne und der sinkende Mond gegenüber als Symbol für den ewigen Wechsel im Leben. Umschwung und Gegensatz von Tag und Nacht, Licht und Finsternis, Werden und Vergehen, Leben und Tod und im Sittlichen vom Guten und Bösen, Reinen und Unreinen, Wahren und Falschen“v. Alle Gegensätze, denen wir uns nicht entziehen können, mit denen wir aber leben müssen. Die Sonne (Schönheit) und den Mond (Stärke) als Kraftquellen für mein Leben zu begreifen bedeutet, dass es sowohl in den schönen als auch in den dunklen Momenten des Lebens meine Suche nach dem Licht nicht aufhören darf. Wenn die Sonne scheint, prallen die Farben mit gestochener Schönheit und wir werden in die Lage versetzt, uns als Teil dieser Schönheit zu verstehen. Wenn die Dunkelheit herrscht, verschwinden die Farben und wir sind zunächst auf uns allein gestellt, wir brauchen dann unsere Stärke um nicht aufzugeben; nach einer gewissen Gewöhnungsphase treten aber Konturen und Formen in Erscheinung und wir können dann langsam einen Weg aus der Dunkelheit wieder finden.

Zum anderen steht der Meister vom Stuhl als einer unter Gleichen, dem die Kraft der Weisheit zugesprochen wird. Jene Kraft die für die Steuerung unseres Handelns in diesem ewigen Wechsel notwendig ist, wenn unser Leben sich an den Werten Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität orientieren soll. Diese Kraft gilt es zu finden in den zahlreichen Erfahrungen die das Leben uns gibt, zu entwickeln mit den Menschen die uns auf diesem Weg begleiten und weiterzugeben an die Menschen die uns begegnen.

So begleiten uns diese Drei Kleinen Lichter bei den Arbeiten an unserem rauhen Stein ein Leben lang; mal stärker, mal schwächer. „Weisheit soll die Quelle freimaurerischer Ideen und Pläne sein, Stärke führt sie aus, und die Schönheit steht für Harmonie und Vollkommenheit“. Unsere Pflicht ist sie nicht verglühen zu lassen, was einfacher ist, wenn wir in einer Gemeinschaft gleichgesinnter Menschen agieren. Als Einzelkämpfer haben wir den Weg in die Loge gefunden, um uns dann als gestärkte Mitglieder einer Bruderschaft wieder zu finden.

Als Schüler habe ich zum ersten Mal die Ermunterung gehört Carpe Diem die aus einer „Ode des römischen Dichters Horaz (*65 v. Chr.; †8 v. Chr.) stammt“ und im Kontext des Gedichtes eine Aufforderung ist, die knappe Lebenszeit heute zu nutzen und nicht auf den nächsten Tag zu vertrauen. Damals schon hatte m ich die Vorstellung gerührt, das Leben als knappes Gut zu betrachten. Aber ich hatte noch mein ganzes Leben vor mir und dadurch auch die Möglichkeit meine Fehler irgendwann zu korrigieren. Dafür gab es noch Zeit. Heute habe ich immer noch mein ganzes Leben vor mir, aber die Variable Zeit interpretiere ich etwas anders.

Höchstwahrscheinlich habe ich die Hälfte meines Lebens schon hinter mir und somit rückt mein Bedürfnis nach Transzendenz immer öfters und intensiver in den Vordergrund meines Handelns. Nicht um jemanden etwas zu beweisen, sondern um sicher zu sein, dass mein Dasein Spuren hinterlässt, und dass meine Beziehung zu meiner kleinen Welt, sei es die Familie, die Freunde, die Kollegen oder die Kunden, dadurch etwas humaner wird.

In der Hinsicht ist es schon interessant einen Blick auf die Parallele zwischen den Phasen eines Lebenszyklus und den Graden in der sog. Blauen Freimaurerei zu werfen. „Die symbolischen, der handwerklichen Tradition entlehnten Grade versinnbildlichen dabei die inneren Entwicklungsstufen, die ein Freimaurer im Laufe seines maurerischen Lebens durchläuft. Von Grad zu Grad findet dabei eine zunehmende Initiation durch verschiedene Legenden und Symbolhandlungen statt, mit der ethische Werte erfahrbar werden. Dabei soll der Initiierte sich weiterhin vervollkommnen". Und so muss ich wieder an die Worte dieses Mannes denken, der auf die beschränkte Zeit des Menschen hinweist: „Eure Zeit ist beschränkt, also verschwendet sie nicht damit, dass ihr das Leben von jemand anderem lebt. Seid nicht in Dogmen gefangen - was bedeutet, den Gedanken anderer Leute zu folgen. Lasst nicht den Lärm fremder Meinungen eure eigenen inneren Stimmen ertränken. Und am allerwichtigsten: Habt den Mut, Eurem Herzen und Eurer Intuition zu folgen. Irgendwie wissen sie schon, was ihr wirklich werden wollt. Alles andere ist nebensächlich“.

     Wie sollen Freimaurer handeln?

Logenvortrag am 17.6.2011 von einem Bruder im dritten Grad

Zu aller Erst wollen möchte ich die die Gedanken unserer Großloge zu diesem Thema vorstellen: Der folgende Text stammt von der Webseite der Großloge:

Freimaurerei - die große Unbekannte Freimaurerei, der alte europäische Bruderbund weltoffener Humanität, kann mittlerweile auf eine wechselvolle Geschichte von fast dreihundert Jahren zurückblicken.

Viele bedeutende Männer gehörten ihm an, mancher Anstoß zu politischen und gesellschaftlichen Reformen ist von ihm ausgegangen. Aber auch Verfolgungen, Verurteilungen und Verdächtigungen waren die Freimaurer ausgesetzt. Bis heute sind Ignoranz und Vorurteile an der Tagesordnung, wenn es um die Frage geht:

Was ist Freimaurerei, und was ist sie nicht?

Mit sechs Feststellungen sollen kurze, doch präzise Antworten auf die Frage nach Wesen, Form und Selbstverständnis der Freimaurerei gegeben werden.

1. Freimaurerei ist ein Freundschaftsbund
Über alle weltanschaulichen, politischen, nationalen und sozialen Grenzen hinweg wollen die Logen Menschen miteinander verbinden, die sich nach Herkunft und Interessenlage sonst nicht begegnen würden. Die Freimaurerlogen folgen damit ihrer alten Tradition, Trennendes zu überwinden, Gegensätze abzubauen, Verständigung, Verständnis und Freundschaft zu fördern sowie der Gefahr einer Isolierung der einzelnen Menschen in der modernen Arbeits- und Freizeitwelt entgegenzuwirken. Durch Offenheit für den Mitmenschen und seine Probleme will der Freimaurerbund nicht nur der Lebensgestaltung seiner Mitglieder dienen, sondern auch ein Modell für Partnerschaft in der Gesellschaft außerhalb der Logen bieten. Dass Freimaurerei bis heute in der Regel ein Männerbund ist – wenn es auch immer mehr Logen freimaurerisch arbeitender Frauen gibt –, ist auf die männerbündische Tradition der Freimaurerei zurückzuführen, soll Homogenität und Identität der Logengruppe festigen und hat keinerlei diskriminierenden Charakter gegenüber Frauen. Auch präsentiert sich die Freimaurerei in ihrer heutigen Praxis bewusst als „offener“ Männerbund, der Partnerin, Familie und Freunde weitgehend in das Gemeinschaftsleben der Logen einbezieht.

2. Freimaurerei ist ein ethisch orientierter Bund:
Der Tradition der europäischen Aufklärung folgend, bekennen sich die Freimaurer zu moralischen Werten und Überzeugungen. Der Freimaurerbund entwickelt zwar kein eigenes ethisches System und versucht schon gar nicht, ethische Überzeugungen in politische Programme zu übertragen. Dennoch gibt die Freimaurerei mit ihren alten Wertpositionen Menschlichkeit, Brüderlichkeit, Freiheit, Gerechtigkeit, Friedensliebe und Toleranz Orientierungen und Maßstäbe für das Denken und Handeln ihrer Mitglieder vor. Im Vergleichen von Realität und Wertmaßstab, im gemeinsamen Nachdenken und in kritischer Selbstaufklärung sollen Verhaltensweisen und Umgangsstile eingeübt werden, die ein Umsetzen ethischer Überzeugungen in die Lebenspraxis des einzelnen Freimaurers bewirken. Nichts geht über das „laut denken“ mit einem Freunde - auf diese Formel hat der Freimaurer Lessing eine der zentralen Grundüberzeugungen der Freimaurerei gebracht.

3. Freimaurerei ist Initiationsgemeinschaft und symbolischer Werkbund:
Zur Festigung der zwischenmenschlichen Beziehungen, zur gefühlsmäßigen Vertiefung ethischer Überzeugungen und als Anleitung zur Selbsterkenntnis bedienen sich die Logen alter, aus der Tradition der europäischen Dombauhütten stammender Symbole und symbolhafter Handlungen (Rituale), in deren Mittelpunkt die feierliche Aufnahme (Initiation) des neuen Mitglieds in die brüderliche Gemeinschaft steht. Die „Entzauberung der Welt“ durch technischen Fortschritt und gesellschaftlichen Wandel sowie die hiervon geprägte Unrast des Alltagslebens bedürfen eines Gegengewichts in Form von Nachdenklichkeit, Ruhe und Gelegenheit zum Sammeln neuer Kräfte. Freimaurer verschließen sich nicht den modernen Lebens- und Arbeitsformen, zu deren Vermenschlichung sie beitragen wollen. Sie sehen aber in der tätigen seinsbewältigung nur eine Seite menschlicher Existenz, die der emotionalen Ergänzung bedarf. Im freimaurerischen Brauchtum wird diese Ergänzung vermittelt.

Um Missverständnissen, Fehleinschätzungen und Vorurteilen gegenüber der Freimaurerei entgegenzuwirken, sollen die gleichzeitig erforderlichen Abgrenzungen („Freimaurerei ist nicht...“) wie folgt bestimmt werden:

4. Freimaurerei ist weder Partei noch Interessenverband:
Logen und Großlogen formulieren keine politischen Programme, nehmen nicht Teil an parteipolitischen Auseinandersetzungen und vertreten nicht die Interessen gesellschaftlicher Gruppierungen und Verbände. Dennoch hat die Freimaurerei eine politische Wirkung: Als „Gemeinschaft toleranter Ungleichgesinnter“ leistet sie einen Beitrag zur Überwindung der schädlichen Auswirkungen politischer Konflikte zwischen Menschen, politischen Gruppen und Nationen, mit der Verpflichtung zur Menschlichkeit thematisiert ein Grundziel jeder Politik, gemäß ihres Bekenntnisses zur Toleranz hilft sie, die politische Kultur im Sinne einer „streitbaren Gesprächsfähigkeit“ zu verbessern, und durch das Erörtern wichtiger Zeitfragen in den Logen trägt sie zur politischen Urteilsbildung ihrer Mitglieder bei. Auf der Grundlage persönlicher Überzeugungen sowie der in der Loge „eingeübten“ ethischen Werte verantwortlich zu handeln, ist dann Aufgabe des einzelnen Freimaurers.

5. Freimaurerei ist weder Nebenkirche noch Ersatzreligion:
Als diesseitsorientierte Freundschaftsbünde mit primär ethischer Zielsetzung sind Logen und Großloge keine Religionsgemeinschaften und bieten folglich auch keinen Ersatz für Religion an. Die Freimaurerei entwickelt keine Theologie und kennt keine Dogmen und Sakramente. Allerdings verwenden die Freimaurer Symbole, die dem religiösen Bereich entlehnt sind, wie z.B. das Symbol „Großer Baumeister aller Welten“. Dieses Symbol verkörpert jedoch keinen eigenen freimaurerischen Gottesbegriff, den es nicht gibt. Es begründet – wie gelegentlich missverstanden wird – auch keine relativierende religiöse Minimalanforderung an den Freimaurer. Es ist vielmehr Ausdruck der Überzeugung, dass moralisches Handeln die Anerkennung eines übergeordneten sinngebenden Prinzips voraussetzt, eines höheren Seins, das Verantwortung begründet und auf das die Ethik des Freimaurers letztlich rückbezogen ist. Als umfassendes Symbol für Lebenssinn und transzendenten Bezug des Menschen ist es vom einzelnen Freimaurer gemäß seiner eigenen weltanschaulich-religiösen Überzeugung ohne kritische Befragung und frei von Rechtfertigungszwängen zu deuten und zu leben. Der Freimaurer hat sich als Freimaurer moralisch und nicht religiös zu verpflichten.

6. Freimaurerei ist kein Geheimbund und keine Verschwörung:
Der Freimaurerbund und seine Mitglieder bekennen sich zu Demokratie und offener Gesellschaft, zu deren Verwirklichung viele Freimaurer wesentlich beigetragen haben. Zweck, Organisation und Vorstände von Logen und Großloge sind jedem Interessenten zugänglich. Viele Veranstaltungen der Freimaurer sind heute öffentlich, und die im Auftrag der Großloge herausgegebene Zeitschrift kann auch von Nichtmitgliedern des Bundes bezogen werden. Die von den Freimaurern geübte Verschwiegenheit bezieht sich nur auf einige Einzelheiten des freimaurerischen Brauchtums und ist Symbol für den in jeder Gemeinschaft notwendigen Schutz von Freundschaft und persönlichem Vertrauen. Mit jeder Art von Verschwörung hat Freimaurerei nichts zu tun.




Betrachten wir das Wesentliche aus dem vorangegangenen Text Gegensätze abzubauen, Verständigung, Verständnis und Freundschaft, Offenheit Verständnis und Freundschaft durfte ich bei meinen Brüdern finden aber diese Ziele verfolgen viele Organisationen und sind nicht nur auf Freimaurer anwendbar. moralischen Werten und Überzeugungen. alten Wertpositionen Menschlichkeit, Brüderlichkeit, Freiheit, Gerechtigkeit, Friedensliebe und Toleranz Fast alle Menschen verfolgen in ihrem Inneren diese Ziele, dem einen gelingt dies mehr, dem anderen weniger. Auch wir Freimaurer dürfen uns nicht davon freisprechen unserer Menschlichen Natur gemäß, einmal mehr und einmal weniger daran zu halten.

Selbsterkenntnis, Tradition, Nachdenklichkeit, Ruhe und Gelegenheit zum Sammeln neuer Kräfte Auch diese Punkte treffen nicht alleine auf Freimaurer zu. Denn auch andere Gruppen, speziell Spirituell-, religiöse Verbände verfolgen diese Ziele. keine politischen Programme, vertreten nicht die Interessen gesellschaftlicher Gruppierungen und Verbände. Hier finden wir die erste wahre Abgrenzung zu vielen anderen Interessensverbänden.

Der Freimaurer hat sich als Freimaurer moralisch und nicht religiös zu verpflichten. Der Freimaurerbund und seine Mitglieder bekennen sich zu Demokratie und offener Gesellschaft. Wenn wir uns die Vorgaben des freimaurerischen Handelns ansehen, stellt sich uns die Frage: „Warum bin ich Freimaurer geworden“?

Andere Organisationen verfolgen die selben Ziele... Diese Frage kann und sollte jeder für sich beantworten. So vielseitig auch die Antworten ausfallen, haben sie doch alle ihre Richtigkeit. Das Zusammenspiel aller dieser Handlungsvorgaben entsprach meinem Wunsch dem Bruderbunde beizutreten, doch viel wichtiger war für mich die Tatsache, dass ich mich in keine Rolle zwängen muss und mich an vorgegebene Richtlinien halten muss. Die Freimaurerei bietet mir die Möglichkeit mich persönlich zu entwickeln und meinen eigenen Weg zu einem besseren Menschen zu finden. In Unserem Ritual wird gegen Ende die Frage gestellt: Wie sollen Freimaurer handeln...

Die Antworten gebe ich wegen der Arkandisziplin (falls Gäste anwesend) nicht. Aber wir Freimaurer wissen was der Mst.v.St sowie die 2 Aufseher uns mit auf dem Weg geben. Dies ist nicht immer Einfach und täglich immer wieder eine Herausforderung der sich ein Freimaurer stellen sollte.
Hier möchte ich Johann Wolfgang v. Goethe zitieren:

"Die Kunst ist lang, das leben kurz, das Urteil schwierig, die Gelegenheit flüchtig. Handeln ist leicht. Denken schwer, nach Gedanken handeln unbequem."

Für mich persönlich zeigt sich der Freimaurer im Kleinen und nicht nur in großen Taten. Einem verzweifelten Menschen zu helfen, sei es in einem Gespräch oder einfach nur zu zuhören. Im Leben anzuhalten die verpflichtenden Termine des Alltags, zur Seite legen und sich einfach einmal die Zeit nehmen, für die Menschen und Tiere die Schutz und Hilfe benötigen.

Ich denke an einen körperbehinderten Mann der sich im Restaurant verschluckte und erbrach, verächtlich blicken die Gäste auf den Mann und keiner half, nur ihre Neugier erregte deren Gemüt. Wer war denn bereit sich zu diesem Mann zu gesellen und ihm nur tröstende Worte und ein Gefühl der Geborgenheit zu geben, bis der Rettungsdienst eintraf. Viele dachte vielleicht daran aber keiner tat es.

Das kleine Mädchen das ziellos durch die Felder zog, verzweifelt und voller Angst. Die Autofahrer sahen sie, doch wer hielt an, um Ihr Hilfe anzubieten. Ach so wichtig waren doch andere Dinge.

Die alte Frau in der Stadt die versuchte mit einem Menschen zu reden … keiner hatte Zeit sich ihre Sorgen anzuhören.

So könnte ich noch viele Beispiele benennen. Für mich persönlich zeigt sich hier das freimaurerische Handeln. Doch will ich auf keinen Fall ein Urteil fällen. Sondern nur mein Verständnis zum Ausdruck bringen. Jeder geht seinen eigenen Weg und es ist wichtig jede Entwicklung des Einzelnen zu betrachten. Denn das Ziel ist uns allen bekannt, die Wege sind unterschiedlich und manchmal verworren, doch alle Wege die zum Ziel führen sind richtig ,es gibt nicht nur den einen richtigen Weg. Wir alle sind Lehrlinge des Lebens und der einzige wahre Meister empfängt uns am Ende unseres Seins.

Meinen Vortrag Enden möchte ich mit den Worten von Johann Wolfgang von Goethe: Des echten Künstlers Lehre schließt den Sinn auf, denn wo die Worte fehlen, spricht die Tat. Der echte Schüler lernt aus dem Bekannten das unbekannte entwickeln und nähert sich dem Meister.

     Die Freiheit der Gedanken

Es war mir geradezu ein Bedürfnis, zumindest einen Bruchteil der Gedanken die mir durch den Kopf gehen, zum heutigen Tag einmal zu ordnen und ein Teil davon zu Papier zu bringen.

Das Johannisfest ist das schönste und höchste Fest der Freimaurerei auf der ganzen Welt. Es symbolisiert den längsten Tag des Jahres, den Wechsel und die Umkehr. An diesem Tag wir unserem Schutzpatron Johannes dem Täufer. Manchmal sind es die aufflackern und wieder verlöschen, manchmal aber sind es auch Sinnfragen, die uns nicht so schnell aus dem Kopf gehen und uns zwingen, sich tiefer mit der gestellten Frage auseinander zu setzen.

Meist geht mir in diesem Moment durch den Kopf, wie und mit welcher Einstellung ich mich dieser Frage nähere. Mache ich mir darüber Gedanken, wie ich an entsprechende Informationen kommen um mir den Sachverhalt etwas klarer auszumalen? Suche ich ein Gespräch mit einem Sachkundigen um mir sein Wissen einmal anzuhören? Oder mache ich mir selbst Gedanken, frei von einem bereits verfügbaren Vorwissen und mache mir erst einmal selbst ein Bild, ein soweit möglich vorurteilfreies, welches ich dann in Folge mit anderen Bildern vergleichen kann.

Dann denke ich auch daran, wie ich mich in einem Dialog mit Anderen der Thematik nähern kann. Wie wähle ich meine Dialogpartner? Suche ich den direkten Weg oder den Umweg? In dem Moment stelle ich aber fest, dass ich mich bereits von meiner eigenen Fragestellung entfernt habe. Eigentlich wollte ich mir doch nur die Frage beantworten, ob Johannes der Täufer ein Freidenker mit Gedanken ohne Grenzen war, oder ob er eher ein „In Grenzen“ denkender Feier Mann war. Wie lassen sich sein Wirken und der damit verbundene Erfolg beschreiben?

Als Schutzpatron der Steinmetzen, d.h. der operativen Maurer kann man ihn durchaus als Handwerker verstehen. Also eher als ein Mann der Tat, als des Wortes. In unserem Ritual wird er als „der Wegbereiter eines großen Meisters der Menschheit bezeichnet“. Also als ein Mensch mit Geist, mit einer festen Zielvorstellung und mit einem konkreten Verständnis was zu tun ist, für ihn persönlich, aber auch für die Menschen die er im Fokus hatte. Die Geschichte lehrt uns, dass solche Menschen aber eher ein Mann des Wortes sind. Wir wissen auch, dass die Kombination von Wort und Tat besonders erfolgreiche Menschen auszeichnet. Was also hat Johannes so markantes vollbracht, dass wir uns heute noch an ihn erinnern?

Er hatte den Mut, die Menschen in seinem Wirkungskreis zur „Umkehr“, d.h. zum Einhalten derAnforderungen der damaligen Wertvorstellung (Tora) und zu einer entsprechenden Lebenspraxis aufgerufen. Er forderte die Abkehr von dem von ihm stark kritisierten damaligen Lebenswandel des Volkes an. Er nahm sich die Freiheit, seine eigenen Gedanken in einer gebündelten Form diesen Menschen mitzuteilen, ja nicht nur diese mitzuteilen, sondern sie ihnen einzuimpfen, mit seiner ganzen Kraft, mit Nachdruck, mit Überzeugung und unermüdlichem Einsatz.

Gerechtigkeit und Brüderlichkeit aller Menschen standen für ihn an erster Stelle, an ihnen sollte der Sinn des Lebens und der Lebenswandel ausgerichtet sein. Das waren seine Kerngedanken. Wir sehen, dass sich alle seine Gedanken um dieses spezielle Anliegen drehten, also eine klare Grenze hatten. Anstatt seine Gedanken in allen Freiheitsgraden zu entwickeln, beschränkte er sich auf einen wesentlichen Aspekt, auf seine Werte, oder auch mit anderen Worten, auf die Werte der Gemeinschaft, der er sich zurechnete.

Unserem Ritual zufolge ist uns Johannes der Täufer ein Vorbild für Stärke. Ich denke mir, dass diese Stärke auch notwendig war damit er seinen persönlichen Auftrag erfüllen konnte. Sein Geist überschritt die damaligen Grenzen in doppelter Hinsicht. Einerseits führten sie Johannes aus seiner begrenzten Gedankenwelt hinaus zu den in grenzenloser Freiheit lebenden Menschen, zum anderen hatte sein Geist den Anspruch, die in Freiheit lebenden Menschen zurückzuführen in die Grenzen des ethisch vertretbaren. Das ist auch heute noch vergleichbar mit einem Spagat.

In seiner Bergpredigt verfolgte Jesus das gleiche Ziel wie Johannes der Täufer. Er hat ebenfalls das Reich Gottes angekündigt und in den Seligpreisungen die ethischen Grundlagen formuliert, die sich auch in den freimaurerischen Werten wiederfinden.

Die Freiheit der Gedanken ist grenzenlos, alles kann erdacht werden, publiziert werden, angeprangert werdet, über den grüner Klee gelobt werden. Wirklich alle Gedanken? Zu allen Themen? Ohne irgendeine Bindung an irgendetwas, etwas was mir Halt gibt, was uns Halt gibt, wenn wir von uns behaupten, dass wir eine Gemeinschaft darstellen und uns als solche fühlen. Eine Gemeinschaft die aber nur existiert, wenn sich die Brr. dieser Gemeinschaft einem gemeinsamen Ritual unterwerfen und sobald dieses zu Ende ist, jeder dieser Brr. in der ihm zustehenden Anonymität, auch Deckung genannt, verschwindet.

Wie soll der Auftrag erfüllt werden, indem wir aufgefordert werden in die Welt hinaus zu gehen und uns als Freimaurer zu bewähren? Jeder Br., als Mensch und als denkendes Wesen, wird anfangs ebenfalls seinen grenzenlosen Denkanspruch anfordern und seine Gedanken in die Welt hinaustragen wollen. Welchen Beitrag kann ein Br. im Sinne der Nachfolge des Johannes leisten, für sich und für die Gemeinschaft? Jeder kann seine gesamte Kraft aufbringen und die Schönheit seiner Gedanken verinnerlichen um sie dann wiederum verstärkt und mit Weisheit zu veräußern.

Verinnerlichen im Sinne einer freimaurerischen Grundeinstellung, einer begrenzten nachvollziehbaren und erlebbaren Ethik, verinnerlicht im Sinne ein freier und offener Gedankenaustausch. Freie Gedanken im Rahmen einer freiwilligen Grenze.

„Wer Großes will, muss sich zusammen raffen; in der Beschränkung zeigt sich erst der Meister und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben (Goethe).“ Diese Art von Freiheit erlaubt es uns privilegiert zu sein, denn wir überschreiten die Grenzen und sind dabei gefangen in unserem geistigen Ursprung, Freiheit trotz Bindung? Nein, für Freimaurer gilt eher das Gegenteil. Denn Freiheit ist die Frucht der geistigen Bindung, freie Gedanken auf einer soliden Basis. Freiheit trotz verschiedener Gesellschaften, trotz verschiedener Individuen mit individuellen Vorstellungen sich von etwas, für sie störendes, zu befreien. Freiheit der Freiheit willen aber ist Unfreiheit. Ein befreiter Freimaurer ist dann vergleichbar einem freien Mann von gutem Ruf, der wie Robinson auf einer einsamen Insel seine Freiheiten auslebt (Cartoon Urban).

Die Freiheit der Gedanken aller Brr. innerhalb einer Gemeinschaft aber bildet den viel zitierten Sauerteig, sie können sich entfalten, entstammen alle einem umfassenden, übergreifenden, freimaurerischen Kontext und dienen so einem übergeordneten Ziel, dass sie wieder Eins werden, sie verstärken sich und kompensieren sich auch teilweise. Der einzelne Br. aber, der gefangen ist in seinen Gedanken, muss als unfrei bezeichnet werden und das führt zu dem Paradoxon, dass nur freie Männer von freiem Ruf zu Freimaurern aufgenommen werden können.

Die Chance zur Veräußerung unserer Wertvorstellung und unserer Gesinnung haben alle wahren Freimaurer, indem jeder einzelne selbst seinen eigenen Lebenswandel, seinen Auftritt in der Öffentlichkeit, seine Meinungsäußerungen zu Themen des Alltags und der Zukunftsgestaltung mit einbringt, immer mit Respekt vor der anderen Meinung, aber mit der notwendigen Überzeugung und Authentizität.

Jeder Einzelne dessen Gedanken das freimaurerische Wesen verinnerlicht hat, hat gute Voraussetzungen, auch in seinem Wirkungskreis einen Wandel herbeizuführen. Seine Gesinnung und seine Werkzeuge bilden eine verlässliche Basis um im Sinne einer Vorbildfunktion die Menschen seiner Umgebung nachhaltig zu beeindrucken. Dieser Bruder steht für keine faulen Kompromisse ein und er glaubt an die Fähigkeit des Menschen, sich selbst und seine Umwelt zu verbessern um die Würde der Vollkommenheit zu verdienen. Missionierung steht nicht auf seinem Panier, auch nicht Rechthaberei! Wir alle orientieren uns an den Alten Pflichten, jenem Grundgesetz der Freimaurerei, welcher einen Kanon von sittlichen Vorstellungen enthält, vor allem Toleranz (religiöse), Mäßigung und Vorurteilslosigkeit. Hier wird auch die Loge als der Ort bezeichnet, an dem jegliches Gezänk, jede Streitigkeiten vermieden werden sollen. Es wird von der inneren Haltung des Maurers gesprochen, der seinem eigenen Gewissen verantwortlich ist und dieses orientiert sich nachseinem Gelöbnis an den freimaurerischen Prinzipien.

Die Faszination die die Freimaurerei damals wie heute auf unkonventionell denkende Menschen ausübt, beruht auf der Tatsache, dass sie sich gegen engstirnige Orthodoxie, unbegründbare Vorurteile und ständige unvereinbare Gegensätze wendet und die vielgestaltige freimaurerische Symbolik verwendet um gerechtes Handeln, gemeinsames lautes Denken und eine spürbare Ordnung erlebbar zu machen, als Basis für Gleichheit und Brüderlichkeit. Wir feiern heute das Johannisfest mit dem Wunsch gleichbleibender Weiterentwicklung in einem positiven Geiste, mit einem Geist der über Grenzen hinweg gehen kann, der es uns erlaubt unbekannte Weiten zu erreichen, ohne unsere Bindung an Werte zu verlieren. Die Freiheit die wir erreichen wollen liegt mehr in der Freiheit ein ungebundeneres Leben zu genießen und sich den inneren Zwängen zu entledigen. Diese Freiheit braucht aber auch Wurzeln, sonst fliegt sie uns davon (Luise Künzinger).

Die geistige Arbeit unserer Loge hat zum Ziel, diese Wurzeln zu kräftigem und gesundem Wachstum anzuregen. Sie ist gekennzeichnet durch die selbstgestellte Aufgabe, gemeinsam an der Verbesserung der Vornehmheit unserer Gesinnung und an unserer Vervollkommnung zu arbeiten, jeder an seinem Rauhen Stein. Die gemeinsame Arbeit schärft auch den Blick für die unterschiedlichen Arbeitstechniken und für die unterschiedlichen Reifegrade der Rauhen Steine. Als Handwerker haben wir auch erkannt, dass lernen nur dann funktioniert, wenn wir uns vertrauensvoll an die Anweisungen der Lehrmeister halten und mit ihm im Dialog bleiben.

In der Loge zeigt sich der geschützte Bereich, als Raum frei von beruflichen, familiären und gesellschaftlichen Zwängen um ungezwungen denken und sprechen zu können. Wer frei spricht, darf in gleichem Maße darauf vertrauen, dass seine ehrlichen Äußerungen verschwiegen behandelt werden. An einem solchen Ort, lassen sich eigene Gedanken entwickeln. Selber denken bedeutet vorurteilsfrei denken lernen und den gedanklichen Austausch mit anderen zu pflegen. Die Freiheit der Gedanken soll uns als hohes Gut dazu dienen, uns im freimaurerischen Sinne mit den Herausforderungen der Gegenwart zu befassen und so einen pragmatischen Betrag leisten und so zum Wohl nicht nur der Freimaurerei beizutragen

Es geschehe also.

     Freimaurerei und Gesellschaft

Öffentlich oder geheim?

Freimaurerei und Öffentlichkeit sind an und für sich ein Widerspruch, oder? Wird doch immer wieder behauptet, dass die Freimaurer ein Geheimbund sind. Ebenso hört man immer wieder von der Verschwiegenheit, die man gelobt hat und von einer Deckung, aus der man nicht herauskommen möchte um Schaden bereits im Voraus abzuwenden. Seit über 50 Jahren wird, insbesondere von den Logen der A.F.u.A.M., Öffentlichkeitsarbeit betrieben, nicht nur um Vorurteile abzubauen, die immer noch in der Bevölkerung vorhanden sind. Es gilt auch, die Männer für diesen Bund, für seine Ideale und für die eigene Bereitschaft zu sensibilisieren, sich einmal mit diesen Vorurteilen zu beschäftigen. Am Schluss dieser Aktivität steht dann vielleicht die Frage „Was bringt es mir persönlich, wenn ich mir ebenfalls die freimaurerischen Ideale zu eigen mache“?
Jede Loge verfolgt im Rahmen ihrer eigenen Interpretation die Gestaltung ihrer Öffentlichkeitsarbeit. Man tritt entweder offen als Verein in die Öffentlichkeit und gibt sich als solchen zu erkennen, oder aber man gibt sich diskret als Gemeinschaft, dafür aber als einzelner Mensch und Freimaurer aktiv im Sinne der freimaurerischen Wertvorstellung in der Gemeinschaft.

Die heutige Realität ist, dass Freimaurertum in allen Organisationsformen auf den einzelnen Menschen oder Bruder gerichtet ist. Dieses mag manchmal den Verdacht aufkommen lassen, bei diesen Menschen handle es sich deshalb um extreme Individualisten oder um introvertierte Menschen, da sie sich nicht innerhalb de Gemeinschaft befinden.

Das trifft jedoch nicht zu. Der Geist der Freimaurerei verlangt von jedem, dass er sich als historischen Menschen versteht, der Tradition verpflichtet, dem Neuen gegenüber aufgeschlossen. Der Freimaurer soll Werden, Wesen und Wandel menschlicher Institutionen und des Menschen selbst erkennen und im Sinne seiner Ideale formen und reflektieren. Hier ist allerdings anzumerken, dass dieses nicht im Sinne Schulungsmaßnahme stattfindet, an der man sich unauffällig beteiligt, sondern der Einzelne ist gefordert, sich mit sich selbst zu beschäftigen und so seine Veränderung selbst zu gestalten. Er wird jene ethischen und praktischen Aktivitäten kennen lernen und mit der Zeit auch zu erfüllen wissen und sich so der großen Gemeinschaft verpflichtet fühlen. Als Bürger ist er in dem sozialen Umfeld seiner Zeit ein aktives, tätiges Glied der Gesellschaft. Er verlangt von sich, dass er als ein unermüdlicher „Einzelkämpfer“ für das Gute, Wahre und Schöne eintritt. Seine schon gezeigten menschlichen Lebensleistungen lassen die Wesens- und Verhaltenseigenschaften eines Freimaurers erkennen. Besonders erfreulich ist es, wenn nicht nur Brüder Freimaurer einen Menschen als ihren Bruder erkennen, sondern auch ein Nichtfreimaurer durch eine angenehme Wahrnehmung einen besonderen Menschen erkennt.

„Unbeirrt und hohe Ziele vor Augen, wandeln wir unten im Tal“, so hat Goethe in etwa dieses Idealbild eines Freimaurers beschrieben. Es ist dem einzelnen überlassen, wie er sich diesen Zielen nähert, welchen Zeithorizont er sich vornimmt, und welchen Zeitproblemen er sich stellt. Jedem einzelnen obliegt es zu erkennen, welche Ziele er für vordringlich erachtet, und konsequent verfolgt.

Wie sieht sich der Freimaurer in der Gesellschaft Die freimaurerische Lebensphilosophie will das Gewissen schärfen. Jeder Freimaurer soll sich dabei zum Niveau jener souveränen Menschen emporarbeiten, die, seit die Welt besteht, ihre Existenzberechtigung stets nur darin gesehen haben, dass sie für die Menschheit da waren. Der Dienst am Nächsten, die Liebe zu den Menschen und der zusätzliche Dienst an den Menschen in unseren Logen haben einen hohen Stellenwert.

Die souveränen Menschen der Vergangenheit haben Neuerungen geschaffen, Initiativen geweckt und das Leben lebenswerter gemacht. Dieses haben sie getan, auch ohne sich darüber Gedanken zu machen, ob ihr Namen von der Geschichte überliefert wird oder nicht. Dieser Tradition fühlen wir uns verpflichtet.

Tausende von schöpferischen Menschen sind Freimaurer gewesen oder haben der freimaurerischen Idee nahe gestanden. Sie hinterließen Staatsgründungen und Staatsverfassungen, sie formulierten die Menschenrechte und begründeten die Humanisierung der Arbeitswelt. Sie kämpften für die Freiheit und den Frieden und gaben in Kunst und Wissenschaft dem Sittengesetz Ausdruck. Sie schufen vorbildliche, soziale Einrichtungen und legten den Keim für den Zusammenschluss Europas. Sie arbeiteten für die Menschheit, für die Gesellschaft, für die Gemeinschaft, für die Loge. Jeder arbeitete auf seinem Platz, seinen Talenten entsprechend. Was sie schufen, erreichten sie als Einzelne, aber im Geiste und im Sinne der Gemeinschaft. Die Loge war für sie die Stätte der Besinnung, der gedankliche Dialog mit den Brüdern, mit den brüderlich verbundenen Freunden.[1]

In unserer Zeit ist eine solche Stätte der Besinnung und Begegnung immer noch nötig, gerade heute, wo Misstrauen und Menschenfeindlichkeit wieder um sich greifen. Mehr Menschen als früher beginnen wieder nach dem Sinn des Lebens zu fragen. Eine Antwort, sicher eine unter vielen, gibt die Freimaurerei. Schon Horaz sagte: „Lebensglück setzt Lebenskunst voraus“. Die freimaurerische Philosophie des Menschlichen ist eine solche Kunst, eine königliche Kunst, eine Kunst die Lebensglück begründen kann. Die königliche Kunst zu erlernen verlangt den vollen Einsatz unseres Geistes. Die von uns verlangte Freiheit spiegelt sich in der geistigen Unabhängigkeit des Einzelnen. Sie ist die Fähigkeit, selbst zu urteilen, eigene Erfahrungen zu sammeln, sie zu ordnen, daran zu arbeiten, daran zu zweifeln, sie auch mit anderen abzustimmen, aufrechtzuerhalten oder auszusondern, sowie die Bereitschaft, das von ihm als wahr erkannte offen zu äußern und es nicht aus Vorteilshascherei oder aus Furcht zu verleugnen.

Der Freimaurer in der Gesellschaft wird also immer ein Individuum sein und als solches auftreten, zumindest hier in Deutschland, gewissermaßen als Ich-AG, als Selbständiger in Sachen Menschlichkeit. Vielleicht hat Br. Kurt Mauch in seiner Broschüre „Freimaurer ohne Geheimnisse“ [2] die Freimaurerei auch als Sammelbecken der geistig Selbständigen bezeichnet.

Während in vielen (einigen) Ländern die Deckung eines Freimaurers zu gewährleisten ist, d.h. kein Freimaurer darf in der Öffentlichkeit einen anderen Freimaurer ohne dessen Einwilligung als Freimaurer zu erkennen geben, gibt es in anderen Ländern öffentliche Auftritte aus allen Hierarchieebenen und zu unterschiedlichen Anlässen. (Z.B. in Kanada, Frankreich treten Gruppen von Freimaurern öffentlich in Erscheinung und formulieren auch politische Willenserklärungen bzw. Standpunkte.) Freimaurerei ist einerseits also etwas Verborgenes andererseits etwas Öffentliches.

Öffentlichkeit steht auch für Präsenz und für Öffentliche Meinung. Diese Meinung ist im Allgemeinen die dogmatische oder fraktionsgebundene Meinung einer Führungsspitze, die demokratisch oder aufgrund anderer Regelungen etabliert wurde. Alle anderen Menschen aller anderer Hierarchiestufen haben sich an diese Ordnung zu halten und ihre eigene Meinung an der geltenden Ordnung auszurichten.

Verborgenes ist das Synonym für nicht öffentlich, immer wieder in Zusammenhang gebracht mit etwas Geheimnisvollem, dem Geheimnis der Freimaurer. Das Verborgene steht aber gewissermaßen dem Prinzip der Öffentlichkeit gegenüber. Der einzelne Freimaurer, der sich an der Freimaurerischen Ordnung orientiert, bildet den Gegenpol zur Führungsspitze. Er steht an der Spitze seiner eigenen Partei. Er ergreift für sich Partei. Sein Programm ist die innere Wandlung und die geistige Entfaltung, die Abwesenheit von Vorurteilen und die Sehnsucht nach dem Licht der Erkenntnis. Er versucht durch sein Parteiprogramm, seine Mitmenschen zu begeistern, ihnen Laune zu machen, ihm nachzueifern. Seine Person und sein persönliches Beispiel sind die einzigen Machtmittel, um andere Menschen zum „Guten“ hin zu verändern. Es ist leicht nachzuvollziehen, das es die Einzelperson eines Freimaurers ist, die im Verborgenen wirkt, und nicht die Organisation der Feimaurer. Der Einzelne geht mit gutem Beispiel voran, und alle anderen (Interessierten) folgen. [3]

Ich möchte noch einmal zurückkommen auf den Begriff der Nicht-Öffentlichkeit. Hier sind zwei Begriffe angesiedelt, die immer wieder in der Öffentlichkeit verwechselt werden. Das freimaurerische Geheimnis und die Verschwiegenheit.

Ohne Differenzierung werden diese gerne falsch verstanden. Die Verschwiegenheit hütet nicht das freimaurerische Geheimnis. Das Geheimnis erfährt nicht der, dem er aus unverschwiegenem Munde mitgeteilt wird, sondern dem, der es durch seine Arbeit an sich selbst erlebt. Es ist sein persönliches Geheimnis, wie er seinen eigenen Sinn geändert hat. Die Grenzen der Verschwiegenheit einzuhalten ist eine freimaurerische Pflicht, sie zu übertreten ist ein Vertrauensbruch. Vertrauen ist die Grundlage für eine Freundschaft, erst recht für Brüderlichkeit.

Brüderliche Rücksichtnahme ist gerade dann gefragt, wenn Brüdern im Spannungsfeld von Vorurteilen, im profanen Bereich Misstrauen entgegengebracht wird vielleicht ein Schaden zugefügt wird.

Nach diesen Zeilen sollte sich jeder noch einmal die Frage stellen: „Wie sehe ich die Freimaurerei“ und wie sieht sie die Gesellschaft“?

Neustadt, 2013 WR

[1] Freimaurerei und Gesellschaft; Großloge Alpina, 2003
[2] Freimaurer ohne Geheimnisse; Kurt Mauch, Bauhüttenverlag, 1958
[3] Freimaurerei, eine Philosophie; Wolfgang Wenng, Bauhüttenverlag, 1987

Hier finden Sie uns

Zur Freundschaft an der Haardt e.V.
Karolinenstr. 19
67434 Neustadt an der Weinstraße

Telefon:    +49  63 21 / 840 47

Mobil:       +49 157 / 86878340

sekretaer@zur-freundschaft-an-der-haardt.de

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Zur Freundschaft an der Haardt e.V.