Nr. 519, i.Or. Neustadt an der Weinstraße - Mitglied der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer Deutschland
Nr. 519, i.Or. Neustadt an der Weinstraße - Mitglied der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer Deutschland

Historie der Freimaurerloge „Zur Freundschaft an der Haardt“ in Neustadt an der Weinstraße (ehemals Neustadt an der Haardt)

Der Beginn als Lesegellschaft 1790

Wenn wir die Geschichte der Freimaurerloge „Zur Freundschaft an der Haardt“ betrachten wollen, müssen wir weit zurückblicken. Und zwar bis in das Jahr 1790. Und wir werden dann feststellen, dass diese Loge nicht die erste Freimaurerloge in Neustadt an der Weistraße war. Es dürfte der 01.09.1790 gewesen sein, als sich Personen des gebildeten Bürgertums in Neustadt an der Weinstraße zur Bildung einer literarischen Lesegesellschaft trafen. Wir befinden uns also in den Anfängen der französischen Revolution (1789 bis 1799). 

 

Lesegesellschaften etablierten sich im 18. Jahrhundert als ein wichtiger Bestandteil der bürgerlichen Lesekultur. Die ersten Lesegesellschaften dürften ab 1720 entstanden sein und verstanden sich als eine Art von aufgeklärten Privatleuten organisierte Form der Erwachsenenbildung. Und zwar außerhalb der dogmatischen Lehren von Staat und Kirche. Damals hat man nur Männer aufgenommen - wohlhabende Männer. Bildung gab es seinerzeit nicht gratis. Es gibt tatsächlich Lesegesellschaften die bis in die heutige Zeit existieren, beispielsweise die allgemeine Lesegesellschaft Basel mit einer beeindruckenden Bibliothek für ihre Mitglieder. Heute gibt es dort natürlich auch weibliche Mitglieder und der Mitgliedsbeitrag ist erschwinglich geworden. Ich würde diese Lesegesellschaft in Basel als „gehobene Mitgliederbibliothek“ bezeichnen, mit Leseräumen in exklusivem ambiente. Andere Lesegesellschaften können sich allerdings in eine ganz andere Richtung entwickelt haben.

Gründung im Jahr 1810

Sechzehn Mitglieder dieser 1790 in Neustadt an der Weinstraße gegründeten Lesegesellschaft fanden sich knapp zwanzig Jahre später, genauer gesagt Silvester 1809, zur Gründung einer Freimaurerloge zusammen - Also nach der französischen Revolution aber inmitten der napoleonischen Zeit, die napoleonischen Kriege tobten auf der iberischen Halbinsel. Der Einfluss des Französischen war zu dieser Zeit unübersehbar. So war es nicht verwunderlich, dass die Sprache in der Neustadter Loge Französisch war.

 

Die sechzehn Gründungsmitglieder sind heute noch bekannt, es handelte sich um 

 

Johann Theobald Dacqué, er war der erste Logensekretär.

 

- Der Direktor der örtlichen Sekundarschule, Johann Peter Ackermann. Er wurde 1814 Sekretär und „Venerable“. Das französische Wort „Venerable“ ist gleichbedeutend mit dem „Meister vom Stuhl“.

 

- Wolfgang Adam Knoeckel war Besitzer der traditionsreichen Papierfabrik in Schöntal bei Neustadt.

 

Der französische Unterpräfekt Verny war ebenso Gründungsmitglied wie die Herren

 

- Außerdem Florentin Dubus, Georg Frey, Johann Ludwig Grohe, Johann Hosemann, Bernhard Kraus, Abraham Lembert, Francois Pascal Maury, Elias Jakob Rasor, Johann Hermann Schmidt, August Liebmann und Johann Umbstaetter. Zudem noch Herr Petit, dessen Vornamen es nicht bis in die heutige Überlieferung schaffte.

 

Die Treffen fanden anfänglich provisorisch in den privaten Räumlichkeiten der Mitglieder statt. Am 06.01.1810 erfolgten erste offizielle Beschlüsse der Gründer, durch welche die finanzielle Sicherheit der Loge erreicht wurde. Vermutlich es ging schlichtweg um die Frage der Mitgliedsbeträge. Mittlerweile fanden die Treffen im Neustadter Lazarett statt. In diesem Gebäude ist heute das Käthe-Kollwitz-Gymnasium untergebracht.

Die "Installation" 1811

Außerdem wurden erste Kontaktaufnahmen zu den Nachbarlogen in Landau, Speyer und Frankenthal beschlossen. Gleichzeitig erging ein Aufnahmegesuch nach Paris, um bei der dortigen Großloge „Grand Orient“ das Patent einer Freimaurerloge zu erhalten. Die Großloge stimmte dem Aufnahmegesuch zu. Der Konstitutionsbrief des Grand Orient ist datiert auf den 15.10.1810. Am 07.11.1811 erfolgte die feierliche Installation, die sog. Lichteinbringung. Die damalige Loge wurde auf den Namen "Trois flammes vivantes á I' Orient de Neustadt" getauft. Nachweislich waren bei den Feierlichkeiten der Lichteinbringung Vertreter der Logen aus Frankfurt, Mannheim, Lauterbourg, Landau, Speyer, Worms, Zweibrücken und Frankenthal anwesend. Frankenthal galt damals als die sogenannte Installationsloge. Aufgrund der Zugehörigkeit zum Grand Orient wurde Französisch per Beschluss, dies wurde vom Grand Orient vorausgesetzt, als Logensprache bestimmt. So kam es, dass Daqué der erste Logensekretär wurde, obwohl er alters- und erfahrungstechnisch die maurerischen Voraussetzungen nicht ansatzweise hatte. Aus den Jahren 1809 bis 1811 sind noch Mitgliederlisten vorhanden. Die Loge wuchs in dieser Zeit auf 37 Mitglieder an. In den ersten Jahren waren es dann immer so um die dreißig Brüder, welche Mitglied der ersten Neustadter Loge waren. 

Das Ende der ersten Neustadter Loge

Nach einigen Jahren schlief das Logenleben in Neustadt ein. Die genauen Hintergründe sind nicht bekannt. Auch ist das genaue Datum der daraufhin erfolgten Schließung nicht bekannt. Was ich sagen kann ist, dass im November 1811 der Bürgermeister dem Vénérable ein Schreiben zukommen ließ, dass über die Meldepflicht geheimer Gesellschaften Mitteilung machte. Die Loge erbat sich daher vom Grand Orient Verhaltensmaßregeln. Am 01.10.1813 teilte man nach Paris mit, dass „unglückliche Um­stände“ beinahe den Zusammenbruch der Loge herbeigeführt hätten, die Gefahr aber beseitigt sei und die alte Ordnung zurückkehre. Das letzte Semesterwort, das freimaurerische Erkennungszeichen, das beim Besuch fremder Logen notwendig war, hatte man schon nicht mehr erhalten. Das Spätjahr 1814 dürfte wohl den endgültigen Zusammenbruch der französischen Loge gebracht haben: Napoleon Bonaparte musste zu dieser Zeit als Kaiser von Frankreich und Italien abdanken und begab sich nach der Unterzeichnung seiner Abtrittserklärung, er hatte ja noch versucht die Unterschrift durch Suizid zu verhindern, ins Exil auf die Insel Elba.

Auch andere Logen überlebten diese Zeit nicht, beispielsweise die Kaiserslauterer Loge Barbarossa zur Deutschen Treue, die 1864 ihre Arbeit begann und 1883 das Licht erlosch. Dies ist für den Neustart der Loge in Neustadt noch von Bedeutung. 

1897 Neugründung

Wie kam es also zur Neugründung der heutigen Loge in Neustadt? 1897 reichten 22 Brüder der Frankenthaler Loge "Zur Freimütigkeit am Rhein“ ihre Austrittsgesuche ein. Nicht etwa, weil sie der Freimaurerei den Rücken kehren wollten. Sondern um die Loge in Neustadt wieder zu gründen. Unter diesen 22 Brüdern der Frankenthaler Loge waren auch Brüder aus Dürkheim, die damals in der vorhin genannten und bis 1883 bestandenen Loge “Barbarossa zur Deutschen Treue" in Kaiserslautern gearbeitet haben. Man kann also sagen, für diese Brüder aus Kaiserslautern war Frankenthal eine Zwischenstation, bevor sie in Neustadt mit der Grundsteinlegung unserer heutigen Loge begannen. Und das ist deshalb von Bedeutung, weil die Inventargegenstände der geschlossenen Kaiserslauterer Loge zwecks Verwahrung und Verwaltung an die Frankenthaler Loge übergeben wurden. Dieses Inventar ging dann 1897 ohne jegliche Probleme mit in den Besitz der Neustadter Bauhütte über. So war die Loge in Neustadt von Anfang an entsprechend ausgestattet, eben mit der ehemaligen Ausstattung aus Kaiserslautern, zwischengelagert in Frankenthal. Als Gründungsdatum der heutigen Loge ist der 22. Juli 1897 belegt. Die Loge gab sich schon damals den Namen "Zur Freundschaft an der Haardt", welcher bis heute trotz beider Kriegsunterbrechungen und dem Freimaurerverbot durch Hitler erhalten blieb. Die Lichteinbringung erfolgte durch die Großloge "Zur Sonne im Or. Bayreuth". Damit war die neue Neustadter Loge nun einer deutschen Großloge angehörig. Die ersten Arbeiten der neugegründeten Loge fanden im Gesellschafts­haus, dem späteren Haus des Roten Kreuzes statt. Auch dieses Gebäude existiert heute noch, gerade einmal paar Hundert Meter entfernt des heutigen Logenhauses an der Kreuzung Bergstraße, Schillerstraße, Karolinenstraße:

Später erbaute der Besitzer des Hotels "Löwen“, Bernhard Feld, im Rückgebäude seines Anwesens gegen die Eisenbahnüberführung einen eigenen Saal, in welchem dann die Arbeiten der Loge abgehalten werden konnten:

Erwerb des Logenhauses "Johannisgarten”

Nach der kriegsbedingten Unterbrechung von 1914 bis 1918 wurde die Arbeit wieder aufgenommen, wobei die wöchentlichen Zusammenkünfte wieder im Hotel "Löwen" stattfanden. Durch die damalige französische Besatzung wurden der Loge jedoch erhebliche Schwierigkeiten bereitet. Wir befinden uns nun also in der Zeit der alliierten Rheinlandbesetzung. So wurde das Gebäude beschlagnahmt und gleichzeitig die Räumung des Tempels samt aller Nebenräume verfügt. Die ausgeräumten Ausstattungsgegenstände der Loge konnten nach Räumung des Tempels zunächst auf dem Dachboden der Neustadter Volksbank, später im Neustadter „Saalbau“ untergebracht werden. Im Goethesaal des Saalbaus fanden eine Zeitlang die Arbeiten der Loge statt. Um diesen Erschwerungen für ein geordnetes Logenleben ein Ende zu bereiten machte das Logenmitglied Heinrich Saul den Vorschlag, ein geeignetes Gebäude zu kaufen, umzubauen so einen würdigen Tempel mit den entsprechenden Nebenräumen zu gewinnen. Dieser Vorschlag fand jedoch wegen des hierfür notwendigen Kapitalaufwandes zuerst keine Gegenliebe. Es ist wohl den Bemühungen von Heinrich Saul zu verdanken, dass sein Plan ein geeignetes Gebäude zu erwerben weiterverfolgt wurde. 

Es gelang ihm dann 1921 tatsächlich ein Anwesen zu erwerben. Das Gebäude in der Karolinenstraße 19, damals der "Hotz'sche Bierkeller" genannt und im Besitze des Kellermeisters und Wirtes Louis Müller, gehörte von nun an der Loge „Zur Freundschaft an der Haardt“. Es mussten allerdings zahlreiche Umbaumaßnahmen durchgeführt werden bis das Haus seine heutige Stattlichkeit erreichte. Das ist nicht verwunderlich, denn mit dem Kauf fand schließlich eine komplette Zweckänderung statt. Damals handelte es sich laut Grundbuch um ein Wohnhaus mit Wirtschaft, Kegelbahn, Stall, Schuppen, Abort, Hof und Wirtschaftsgarten. Der Kaufpreis betrug übrigens 75.000 Mark. Wobei nicht gleich mit den Umbaumaßnahmen begonnen wurde, zunächst wurde die Heimkehr von Bruder Otto Reimers aus der russischen Kriegsgefangenschaft abgewartet. Bruder Reimers war von Beruf Architekt und hat dann für den Umbau des Hauses sowie einen Anbau die Zustimmung der Loge gefunden. Die Finanzierung der Baumaßnahmen erfolgte in der Hauptsache durch Bruder Heinrich Saul bei der Neustadter Volksbank und es bleibt sein Verdienst, dass er diese Finanzierung mit großer Umsicht durchgeführt hat. Auf Anregung des Bruders Heinrich Saul wurde am Logenhaus eine Steintafel angebracht, in welcher folgender Leitspruch eingemeißelt ist:

 

„Wahrheit suchen, Tugend üben, Gott und Menschen herzlich lieben!“

Geldentwertung 1921

Gottlob war das Jahr 1921 ein gutes Weinjahr. Um bei der damals drohenden Geldentwertung die vorhandenen Geldmittel der Loge nicht verfallen zu lassen, hat Bruder Wilhelm Bub den Vorschlag gemacht, für die Loge ein Halbstück St. Martiner Weißwein einzulegen. Und tatsächlich: Der sinkende Geldwert in jener Zeit ließ keine andere Wahl, als den Wein zu veräußern und mit dem Erlös die Schulden aus dem Grundstückskauf abzudecken. Dadurch konnte das Gebäude lastenfrei werden.

Die Zeit des Nationalsozialismus

30.01.1933: Adolf Hitler wird zum Reichskanzler gewählt. Damit beginnt das dritte Reich. Wie wir wissen, wurde nicht nur hart gegen Juden vorgegangen, sondern auch gegen Freimaurer. Jedenfalls war es diese Zeit der Freimaurerverfolgung durch die NSDAP, als die oben gezeigte Steintafel am Eingang des Logengebäudes wieder entfernt werden musste. Im April 1935 wurde das Logengebäude durch den Bayrischen Staat beschlagnahmt und ohne Entschädigung dem Luftschutzbund zur Verfügung gestellt. 

Wiederaufnahme nach 1945

Nach dem zweiten Weltkrieg und dem Zusammenbruch des dritten Reiches kam die Loge im Wege der Restitutionsklage wieder in den Besitz ihres Hauses und die Steinplatte wurde wieder angebracht. Die Lichteinbringung nach der Wiederaufnahme der Logenarbeit erfolgte im Herbst des Jahres 1948 durch den Großmeister Dr. Bauer. Am gesamten Gebäude mussten erhebliche Instandsetzungsarbeiten an dem durch Zweckentfremdung sehr vernachlässigten Hause durchgeführt werden. Daher fanden die Tempelarbeiten anfangs noch im Künstlerkeller des Saalbaues statt. Der Tempel und die Nebenräume in der jetzigen Form sind in der Karolinenstraße in den 1960er Jahren entstanden. Auch heute noch erfordert die Instandhaltung des Gebäudes viel Aufmerksamkeit der Logenmitglieder.

Impressionen des heutigen Logengebäudes

Zur Freundschaft an der Haardt e.V.
Karolinenstr. 19
67434 Neustadt an der Weinstraße
 

Mobil: +49 172 / 9398699

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